Rheinfelden Ortsporträt

Bier, Barock und Romantik am Rhein

900 Jahre Geschichte, idyllisch am Rhein gelegen, romantisch verwinkelte Gassen, überragt von einem Schloss, das dem Land sein Bier braut. Rheinfelden ist die vielleicht schönste kleine Stadt der Schweiz.

Quizfrage: Rheinfelden liegt im Dreiländereck Schweiz/Deutschland/Frankreich. Zu welchem Land gehörte die Stadt fast 500 Jahre lang? Da hilft nicht mal der Publikumsjoker. "Österreich" wäre richtig. Bis immerhin 1802 stand die Stadt unter Habsburgischer Herrschaft, war Teil des vormaligen "Vorderösterreich". Das sieht man heute noch im barocken Stadtbild. Und wenn sich Paare im fast kitschig schönen Rathaussaal trauen lassen, blickt Kaiserin Maria Theresia vom Ölgemälde auf die Liebenden.

Liebenswert ist Rheinfelden vor allem wegen der zauberhaften, durchgängig denkmalgeschützten Altstadt. Deren Häuser schmiegen sich sanft an die Kurven des Flusses, der Rheinfelden Name und Seele gab. Die Alte Rheinbrücke zur deutschen Seite rüber sieht mittelalterlich aus, ist mit Baujahr 1911 aber eher jung. Hochwasser und Brände zerstörten ihre Vorgänger.

Die steinerne Brücke verbindet Rheinfelden mit Badisch Rheinfelden, der deutschen Schwester. Sie ist mit 32'000 zu 13'000 Einwohnern dank viel Industrie zwar grösser, aber mit Stadtgründungsjahr 1922 eher geschichtslos. Vor 100 Jahren war dort mehr oder minder Wiese. Die "beiden Rheinfelden" pflegen eine gute Nachbarschaft. Im Halbstundentakt fahren gasbetriebene Kleinbusse über die Brücke. Auch der jährliche Fasnachtsumzug überquert fröhlich feiernd den Rhein - immerhin eine EU-Aussengrenze.

Lebenswert und liebenswert. Wo allerorts Fussgängerzonen veröden, bietet die 400 Meter lange Marktgasse ein munteres Ensemble von kleinen Läden, Cafés und Restaurants. Rheinfeldens Detailhandel trotzt Amazon & Co. mit erstaunlichem Erfolg. Einmal jährlich ist "Uusestuelete", dann stellen die Rheinfelder Bänke und Tische auf die Strassen und machen ihre Altstadt zur Partymeile.

Feiern können sie in Rheinfelden, was sicher auch am Bier liegt. Jedes zweite Glas Gerstensaft, das Herr und manchmal auch Frau Schweizer trinken, stammt aus der grössten Brauerei des Landes. Sie residiert seit 1896 oberhalb von Rheinfelden in einem zeitlos schönen Jugendstil-Prachtbau, dem Feldschlösschen. Schloss wäre wohl passender.

Und dann ist da noch das Salz. 54 Tonnen pro Stunde werden in Rheinfelden produziert. Mehr noch: Das Salz und seine wohltuende Wirkung in Form von Solebädern machte Rheinfelden im 19. Jahrhundert zum prominenten Kurort. Mit herrlichen Kuranlagen, Kurhaus und allem, was dazu gehört. Heute mehr denn je, denn das moderne Thermalbad "Sole Uno" spielt mit 500'000 Gästen pro Jahr in der Champions League. Von den Statuten her dürfte sich Rheinfelden längst in "Bad Rheinfelden" umbenennen. Das scheuen die Politiker bislang wegen der Kosten für Schilder, Logos und Briefpapier. Aber vielleicht wird das ja noch was ...